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Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek:

www.jiffystories.com

© 2013 jiffy stories im Residenz Verlag

Alle Urheber- und Leistungsschutzrechte vorbehalten.

ISBN ePub:

Umschlaggestaltung: Nanna Prieler

Lektorat:Patrick Hutsch

Adhelion

Nachdem die Erde durch einen Wirtschaftskollaps und die Zerstörung der Natur zugrunde gerichtet wurde, blieb der Gesellschaft nur eine Möglichkeit: Sie gründete die hermetisch abgeriegelte Megacity Path. Dort lebt Greg Singer, der sich nach dem Tod seines besten Freundes in die untersten Ebenen der Stadt zurückgezogen hat. Hier verdient er als einer von vielen Fährmännern auf den gigantischen Kühlwasserkanälen der Stadt sein Geld. Doch Gregs Flucht vor seiner Vergangenheit nimmt ein jähes Ende, als er die brutal misshandelte Leiche seiner Ex-Freundin Senna Goldfink findet. Auf der Suche nach ihrem Mörder entdeckt er nicht nur weitere Leichen, sondern gerät auch ins Visier der herrschenden Klasse. Mit seinen Erkenntnissen stößt er an die Grenzen des gesunden Menschenverstandes: Ein geheimer Zirkel verfolgt eine perverse Philosophie, in der das Töten zum ultimativen Kick wird.

12 Wochen neue Welten

Adhelion

erscheint ab 22.09.2013 wöchentlich jeden Sonntag.

Folge 1:Kanalfund

Folge 2:Wachtraum

Folge 3:Relikt

Folge 4:Helos

Folge 5:Gewitterregen

Folge 6:Totenwache

Folge 7:Kaltfront

Folge 8:Verführung

Folge 9:Amor

Folge 10: Labyrinth

Folge 11: Rächer

Folge 12: Babylon

Adhelion

Folge 1: Kanalfund

von Raiko Oldenettel

Prolog

Dass es seine Hände waren, die ihren Körper aufrissen, machte es nicht leichter. Der Geschmack des teuren Champagners lag noch auf ihrer Zunge, als warmes Blut ihre Kehle hinaufstieg. Es wurde still um sie herum und wie in einem rasant abgespulten Film lief der Abend vor ihren Augen erneut ab. Das Ballkleid, das er ihr geschenkt hatte, flackerte darin auf. Ein Traum aus weißen Federn und glitzernden Pailletten, die Schuhe ein wenig zu eng, aber für ihren Geschmack genau richtig. Er legt ihr mit seinen zarten Fingern eine Perlenkette um den Hals und sagt, dass er sie liebt. Jedes Wort wischt ihr die Tränen der Aufregung von den Wangen. Dann folgt der Tanz in der Menge, zwischen all diesen Menschen. Ihr Herz will ihr dabei nur eines sagen: er ist der Richtige, die anderen nur Schauspieler. Niemand ist so glücklich wie sie. Der Maskenball ist Belohnung für ihr langes Ausharren. Der Tanz über das Parkett ein Spiel mit dem Feuer. Nur einmal die Maske lüften, nur ein falsches Wort, und sie fliegen auf. Es passiert nicht, sie behält die Nerven. Die Mutprobe ist gelungen und der Abend soll noch schöner werden.

Die Bilder springen vorwärts. Er nimmt sie mit hinauf auf die Ebene, wo die Sterne zwischen den Wolkenfetzen grüßen. Die Welt wird klein hinter der Glaskuppel. Sie sind allein und sein Kinn liegt ihr auf der Schulter, seine Lippen küssen ihren Kopf, seine Nase vergräbt sich in ihrem Haar. Er liebt mich, wiederholt ihr Herz, und sie fährt mit den Fingern unter sein Hemd. Dann erreicht die beiden eine Stimme.

Der Film brach ab, sie fand zu sich selbst zurück und somit zu dem Grauen, das vor ihr stand.

Starr ragte er über ihr auf und sah auf sie herunter, mit einem Blick in den glasigen Augen, als wäre er ebenfalls vor Sekunden erst aufgewacht. Er schüttelte den Kopf. Keines der verzaubernden Worte kam ihm über die Lippen, als sie zitternd die Hand ausstreckte und alle Kraft zusammennahm, seinen Namen zu rufen. Der Geschmack des Blutes war nun überall und das Brennen in ihrer Brust strahlte in jede Zelle ihres Körpers. Der Schmerz zog sie an einer bleiernen Kette aus der hohen Luft ihrer Gefühle, schleuderte sie auf die kalte Erde, fesselte sie an das sterbende Gefäß, zu dem ihr Körper geworden war. Nein. Nein, nein, nein. Das alles war ein Albtraum, eine Lüge, und sie würde jeden Moment aufwachen, in seinen Armen, und er würde ihr zurück in die Wirklichkeit helfen. Doch stattdessen ließ er die furchterregende Kugel in seiner Hand neben ihr fallen und starrte auf seine Finger. Er weinte, große Tränen rannen ihm vom Kinn herunter. Sie sah jeder einzelnen nach.

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