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Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek:

www.jiffystories.com

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© 2013 jiffy stories im Residenz Verlag
im Niederösterreichischen Pressehaus
Druck- und Verlagsgesellschaft mbH
St. Pölten – Salzburg – Wien

Alle Urheber- und Leistungsschutzrechte vorbehalten.
Keine unerlaubte Vervielfältigung!

ISBN ePub:
978-3-85236-043-0

Umschlaggestaltung:Nanna Prieler

Lektorat:Patrick Hutsch

Adhelion

Nachdem die Erde durch einen Wirtschaftskollaps und die Zerstörung der Natur zugrunde gerichtet wurde, blieb der Gesellschaft nur eine Möglichkeit: Sie gründete die hermetisch abgeriegelte Megacity Path. Dort lebt Greg Singer, der sich nach dem Tod seines besten Freundes in die untersten Ebenen der Stadt zurückgezogen hat. Hier verdient er als einer von vielen Fährmännern auf den gigantischen Kühlwasserkanälen der Stadt sein Geld. Doch Gregs Flucht vor seiner Vergangenheit nimmt ein jähes Ende, als er die brutal misshandelte Leiche seiner Ex-Freundin Senna Goldfink findet. Auf der Suche nach ihrem Mörder entdeckt er nicht nur weitere Leichen, sondern gerät auch ins Visier der herrschenden Klasse. Mit seinen Erkenntnissen stößt er an die Grenzen des gesunden Menschenverstandes: Ein geheimer Zirkel verfolgt eine perverse Philosophie, in der das Töten zum ultimativen Kick wird.

Was bisher geschah

Greg Singer läuft dem Schicksal in die Klinge, als er die Leiche seiner Ex-Freundin in einem Kanal treibend findet. Panisch birgt er Sennas Leiche und versteckt sie in seiner Wohnung. Doch er wurde beobachtet. Ein gefährliches Missverständnis nimmt seinen Lauf.

Angela Cold lässt sich widerwillig auf eine Routine-Streife durch das Basislevel ein. Den Hinweis auf eine Leiche nehmen sie und ihr Kollege Lester nicht sonderlich ernst – bis sie in Gregs Wohnung stehen und Angela erkennen muss, dass es ihre Schwester ist, die dort mit aufgerissenem Brustkorb liegt.

12 Wochen neue Welten

Adhelion

erscheint ab 22.09.2013 wöchentlich jeden Sonntag.

Folge 1:Kanalfund

Folge 2:Wachtraum

Folge 3:Relikt

Folge 4:Helos

Folge 5:Gewitterregen

Folge 6:Totenwache

Folge 7:Kaltfront

Folge 8:Verführung

Folge 9:Amor

Folge 10:Labyrinth

Folge 11:Rächer

Folge 12:Babylon

Adhelion

Folge 2: Wachtraum

von Raiko Oldenettel

Die Kollegen schwirrten um Angela herum, wie Insekten in einem Treibhaus. Es lag diese besondere Stimmung in der Luft, in der jeder etwas tun musste, aber keiner wusste, was. Angela stand unter Schock und klammerte sich an die Kaffeetasse wie an einen Rettungsring. Ungeduldig sah sie von ihrem Schreibtisch auf, hinüber in den Besprechungsraum. Hinter der Glasscheibe hatten sich die Gemüter erhitzt, immer wieder warfen ihr Männer und Frauen, die sie nicht einmal kannte, mitleidige Blicke zu. Angela sah wieder auf die Brühe, die man ihr vorgesetzt hatte. Als könnte auch nur einer von denen verstehen, was passiert war, dachte sie. Lester kam kurz vorbei. Er legte ihr seine Hand tröstend auf den Rücken, doch Angela war mit ihren Gedanken bei Senna.

„Ich werde jetzt da reingehen“, sagte er schließlich. „Wir werden die ganze Nacht brauchen. Soll dich jemand heimbringen?“

„Nein“, antwortete sie automatisch und nahm einen Stift in die Hand. „Ich muss Formulare ausfüllen.“

„Das kannst du auch morgen“, schlug er vor.

„Ich könnte Details vergessen“, log sie und sah ihn bittend an. „Lass mich.“

Der Captain winkte Lester zu sich und ließ Angela allein. Tatsächlich füllte sie die Protokolle aus, aber nur, um nicht von hier wegzumüssen. Sie wollte warten, bis die Besprechung vorbei war und die Befragung erste Ergebnisse gebracht hatte. Sie rechnete fest mit einem Geständnis. Etwas anderes konnte sich dieses Schwein nicht erlauben. Notfalls würde sie das Geständnis aus ihm herausprügeln.

Die Tür des Besprechungsraums öffnete sich und Charles kam heraus. Er sortierte sein Haar und sah streng über den Rand seiner Brille. Angela fühlte sich elend. Wie musste sie dann erst auf andere wirken? Der Captain setzte sich auf die Tischkante und faltete die Hände in den Schoß. „Angela. Geh bitte nach Hause, wir werden uns melden, sobald wir mehr wissen.“

„Werdet ihr nicht“, antwortete sie stoisch.

„Du weißt, dass du an diesem Fall nicht mitarbeiten kannst. Also wieso nimmst du nicht deine Sachen? Ich gebe dir eine Woche frei. Deine Mutter braucht dich jetzt.“

„Meine Mutter?“, fragte Angela und spürte ein Stechen im Bauch. Sie hatte ihre Mutter vollkommen vergessen. Wie sollte sie ihr nur gegenübertreten? Es war schließlich Angelas Schuld, dass Senna von zu Hause abgehauen war. Das würde ihre Mutter ihr nie verzeihen.