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Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek:

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© 2013 jiffy stories im Residenz Verlag

Alle Urheber- und Leistungsschutzrechte vorbehalten.

ISBN ePub:

Umschlaggestaltung:Nanna Prieler

Lektorat:Patrick Hutsch

Adhelion

Nachdem die Erde durch einen Wirtschaftskollaps und die Zerstörung der Natur zugrunde gerichtet wurde, blieb der Gesellschaft nur eine Möglichkeit: Sie gründete die hermetisch abgeriegelte Megacity Path. Dort lebt Greg Singer, der sich nach dem Tod seines besten Freundes in die untersten Ebenen der Stadt zurückgezogen hat. Hier verdient er als einer von vielen Fährmännern auf den gigantischen Kühlwasserkanälen der Stadt sein Geld. Doch Gregs Flucht vor seiner Vergangenheit nimmt ein jähes Ende, als er die brutal misshandelte Leiche seiner Ex-Freundin Senna Goldfink findet. Auf der Suche nach ihrem Mörder entdeckt er nicht nur weitere Leichen, sondern gerät auch ins Visier der herrschenden Klasse. Mit seinen Erkenntnissen stößt er an die Grenzen des gesunden Menschenverstandes: Ein geheimer Zirkel verfolgt eine perverse Philosophie, in der das Töten zum ultimativen Kick wird.

Was bisher geschah

Angela Cold versucht, den Tod ihrer Schwester durch Routine zu verarbeiten, doch ihre Vorgesetzten wollen sie vom Fall abziehen. Sie beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln. Alle Ergebnisse der Obduktion scheinen Greg Singer zu entlasten. Angela will den Tod ihrer Schwester rächen, aber wie?

Greg Singer wird nach einem langen harten Verhör durch die Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Beweise reichen nicht aus, um ihn zu verhaften, aber man beobachtet ihn weiter. Zurück im Basislevel, versinkt er in Erinnerungen an Senna. Seine Trauer und seinen Frust ertränkt er in Jane’s Bar. Plötzlich kommt ihm die Idee, wie er den Fall selbst lösen kann. Doch dazu muss er wieder ins Adhelion – nur wie?

12 Wochen neue Welten

Adhelion

erscheint ab 22.09.2013 wöchentlich jeden Sonntag.

Folge 1:Kanalfund

Folge 2:Wachtraum

Folge 3:Relikt

Folge 4:Helos

Folge 5:Gewitterregen

Folge 6:Totenwache

Folge 7:Kaltfront

Folge 8:Verführung

Folge 9:Amor

Folge 10:Labyrinth

Folge 11:Rächer

Folge 12:Babylon

Adhelion

Folge 3: Relikt

von Raiko Oldenettel

Wo, zum Teufel, bringt er mich hin?

Gregs Schritte hallten auf dem rostigen Gerüst wider und vermittelten ihm eine ungefähre Ahnung davon, wie schwindelerregend hoch er sich befand. Das Geräusch der Stiefelabsätze auf dem Metall wurde vom Schacht zurückgeworfen, in die Tiefe geschleudert und weit über ihnen wieder ausgespuckt. Besorgt hielt er sich an einem notdürftig gespannten Seil fest und blickte in die bodenlose Schwärze der Bauschale.

Sein Führer hatte mit dem Weg keine Probleme. Wahrscheinlich war er zu sehr an die Umgebung gewohnt, als dass er sich einen Sturz aus dieser Höhe vorstellen konnte. Vielleicht auch ein kleines bisschen zu sehr von sich selbst überzeugt. Greg war dennoch dankbar dafür, dass Jane den Kerl aufgetrieben hatte.

Sein Name war Tiss, was selbst für das Basislevel ungewöhnlich war. Aber normale Worte schienen dem Burschen generell nicht zu liegen. Hin und wieder sah Tiss hinter sich, lüftete seine Schirmmütze und wischte sich das blonde Haar mal in diese, mal in jene Richtung. Seine Zunge hatte er sich spalten lassen. Er trug Plugs in den Ohren, die fingerdicke Löcher frei machten, und zerfetzte Kleidung über seinem dünnen Körper.

„Probz?“, hatte er zu Beginn der Klettertour gefragt. Greg hatte mit dem Kopf geschüttelt. Eigentlich war für ihn das größte Problem, dass er nie zuvor von diesem Teil der Stadt gehört hatte. Sie entfaltete sich vor ihm wie eine düstere Märchenwelt.

„Wir sind jetzt am Ende vom Second Level“, erklärte Tiss, als hätte er heimlich Gregs Gedanken mitgeschnitten. „Die Leiter da führt in die Bauschächte vom Adhelion. Von da an werden wir nicht mehr alles laufen müssen.“

„Na denn“, gab Greg knapp zurück und sah zu, wie Tiss die Leiter hinaufstieg. Das Licht seiner Taschenlampe schwang hin und her. Greg trat an die Leiter. Sie ächzte unter dem Gewicht des jungen Mannes, und als Greg die erste Sprosse bestieg, bebte sie unter seinen Fingern.

„Vorsichtig, ja?“, rief Tiss gereizt herunter. „Ich mach das hier nicht zum Spaß. Will heute noch lebend wieder rauskommen.“

Greg sagte nichts und überwand seinen ersten Impuls, jede Sprosse auf ihre Belastbarkeit zu testen. Mit halber Geschwindigkeit ging er hinauf. Seine Beine zitterten vor Anstrengung, als er Tiss in einem niedrigen Spalt verschwinden sah. Der Weg forderte seine ersten Tribute an Gregs Konstitution.

„Da müssen wir rein!“ Der Hänfling winkte mit der Taschenlampe hinab. Für einen Moment blendete es so sehr, dass Greg meinte, das Gleichgewicht zu verlieren, doch sein Rucksack lehnte sich beruhigend gegen das Gitter, das sich um die Leiter wölbte.

„Ich dachte“, blaffte Greg, „dass du einen schnellen Weg kennen würdest. Wir sind schon Stunden unterwegs.“