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Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek:

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ISBN ePub: 978-3-85236-055-3

Verschwörung am Cadillac Place. Eine amerikanische Liebesgeschichte

von Akos Gerstner

Inhalt

Folge 1: Panik in Detroit

Folge 2: Tee mit Hoover

Folge 3: Rumble in the Jungle

Folge 4: Flüstern und Schreie

Folge 5: Kein Zauberer in Oz

Folge 6: Alice im Land der Spiegel

Folge 7: Die Protokolle von Queens

Folge 8: Der Aufstand

Folge 9: Die Verschwörung von Camelot

Folge 10: Nachmittag in Hollywood

Folge 11: Erhörte Gebete

Folge 12: Die Liebenden und die Toten

Über den Autor

Folge 1: Panik in Detroit

Thomas Van Dorn war der persönliche Sekretär Henry O. Brannigans, dem Chef für Personenkraftwagen bei der Ford Motor Company, dem ehemals größten Automobilhersteller der Welt, und damit Alfreds größter Konkurrent. Wann immer Alfred und Henry vertraulich in Kontakt treten wollten, geschah dies über Tom, denn Tom war mit Alfred eng befreundet und er hatte ihn am Abend zu einer Party eingeladen, die Alfred eigentlich absagen wollte. Aber die Situation hatte sich durch ein paar Zahlen schlagartig geändert.

Alfred hatte schon den ganzen Abend über einem Bericht gesessen, der ihn kurz vor Dienstschluss erreicht hatte und ihn, je länger er sich mit der Materie befasste, immer mehr beunruhigte. Vom Fluss tief unter ihm ertönte ein Nebelhorn und er musste an gestrandete Wale denken, die er einst als Vierzehnjähriger bei einer Schiffsreise vor Neufundland gesehen hatte. Alfreds Panik steigerte sich, als ihm Toms Einladung wieder einfiel. Kurz entschlossen öffnete Alfred seinen Kleiderschrank, wechselte den schwarzen Anzug gegen einen eleganteren Smoking, damit er nicht ganz so düster aussah, wie er es sonst immer bevorzugte, um auf Pressekonferenzen einen kompetenten Eindruck zu hinterlassen. Er band sich hastig noch einen Schlips um und eilte zum Fahrstuhl. Alfred musste reden, und das nicht mit irgendjemandem.

Als er Van Dorns Haus, 50 Meilen von Detroit auf der anderen Seite des Lake St. Clair in Pearl Beach, erreichte, war es schon weit nach Mitternacht und die Feier in vollem Gang. Tom Van Dorn hatte McKinneys Cotton Pickers angekarrt, die drauf und dran waren, Duke Ellingtons Orchestra den Rang als heißeste Band abzulaufen, die ausschließlich mit schwarzen Musikern bestückt war. Ihre Staccati flirrten schon von weit her durch die kühle Nachtluft, während Alfred sich dem Anwesen zu Fuß näherte. Das Partyzelt war an die 100 Meter lang und stand direkt neben dem Herrenhaus auf dem prächtigen Rasen. Toms Frau Mae achtete immer penibel darauf, dass kein Automobil ihn beschädigte. So lagen drei Dutzend Limousinen in einer langen Schlange auf der Zufahrt vor Anker. Einige der Fahrer lehnten sich lässig an die Kühlerhauben. Alfred grüßte sie und erhaschte im Vorbeigehen verstohlen einen Blick auf die Automodelle, die so bräsig in der Dunkelheit ruhten. Zufrieden stellte er fest, dass mehr als die Hälfte den Edelmarken von General Motors entstammte: Cadillacs und Buicks.

Tom Van Dorn war bekannt dafür, einen Riesenhaufen Leute zu seinen Festen einzuladen, unter der Voraussetzung, dass ihre Anwesenheit im Interesse der Ford Motor Company lag. Es war wahrlich eine Menge los, denn Tom wollte für gute Stimmung sorgen, denn nur glückliche Gäste waren auch glückliche Käufer, und Toms Händchen für gelungene Partys war weithin bekannt. Als ehemaliger College Boy hatte Alfred die Festlichkeiten des reichen Neuengland in seiner Jugend bestens kennengelernt, vor allem ihre Koketterie, ihre Trauer, ihren Exzess.

So trat er ein in das mächtige Gewölbe aus Plastikplanen, Schnüren und Aluminiumgestänge bis weit hinauf zur Spitze, das ein gewaltiges Zirkusdach krönte, unter dem an diesem Abend die Welt schwerelos durch Zigarrenrauch und Opium schwebte, um immer wieder zu erzittern unter den Beats der Big Band, die in der Mitte auf einem Podium thronte. Zu ihren Füßen zuckten die Leiber unter den Trompetenstößen und legten einen vorzüglichen Five Foot Two aufs Parkett, dass Thomas Alva Edison Hören und Sehen vergangen wäre. Der betörende Charme dieser Masse und ihre überwältigende Ausgelassenheit verwirrten Alfred für einen Augenblick. Er reckte den Kopf und versuchte benebelt vom Geschnatter und Lachen um ihn herum einen Eindruck zu gewinnen von den vielen verzückten Gesichtern, die fest entschlossen schienen, Tom und Mae Van Dorn eine Fete zu liefern, die die Gräber von Fort Alamo zum Einstürzen bringen würde, und all die Steifheit der Welt in einer einzigen Nacht zu vertreiben.

Tabakgirls stolzierten mit ihren Bauchläden umher und reichten jedem mit einem blitzenden Lächeln Zigaretten. Irgendwo in diesem beschwipsten Gelächter tauchten Kellner wie Pinguine in der Menge mal auf und wieder unter, hoch über den Köpfen Tabletts mit fingerhutgroßen Gläschen voll Absinth balancierend, der verschwörerisch und augenzwinkernd weitergereicht wurde. Immer ein halbes Dutzend auf einmal. Die Stimmung steuerte auf den Siedepunkt zu, ein Blondschopf jauchzte und reckte akrobatisch das linke Bein in die Höhe, dabei traf sie eines der Tabletts und der Absinth flog in hohem Bogen über die Menge hinweg und klatschte auf dem ausgelegten Holzboden auf, die Gläser zersprangen und der grüne Absinth verlief. Alfred kämpfte sich bis ans andere Ende des Zeltes, schüttelte immer den Kopf, wenn die Kellner ihm etwas anboten, denn er wollte nüchtern bleiben, um Tom, sobald er ihn gefunden hätte, in seine Pläne einzuweihen.

Normalerweise reichte es, wollte man Tom kurz Hallo sagen, einmal das Meer der Gäste zu durchkämmen. Irgendwann würde man ihn mit angewinkeltem Arm, ein Glas Bourbon an den Lippen, steif am Rande stehend begegnen, wie er den Gästen beim Spaßhaben zuschaute.

Aber Alfred konnte ihn an diesem besonderen Abend nicht ausmachen. Er suchte sich deshalb durch die nächste Öffnung im Zelt, durch die Servierwagen, Cocktails und Kisten voll matt glänzendem Beluga hineingeschleust wurden, einen Weg und stapfte über die taunasse nächtliche Wiese zurück zum Haus.

Die Tür zur Terrasse stand weit offen. Alfred trat nach kurzem Klopfen ein. Er stand in Toms Arbeitszimmer, das hell erleuchtet war. Die Ruhe war nicht zu überhören. Es war ganz eindeutig eine ländliche Gegend und die benachbarten Farmer kratzten sich bestimmt am Kopf, wenn sie hinüberspähten auf das Grundstück des Ehepaars Van Dorn, denn überall sonst lag jeder vernünftige Mensch um diese Uhrzeit im Bett.

“Verflucht Al, was machst du hier? Das hier ist eine Ford-Party.” Tom stolperte eben ins Arbeitszimmer und machte ein paar unsichere Schritte auf Alfred zu. “Du hast mich eingeladen.” “Hab’ ich das wirklich?” “Du lädst mich immer ein.” “Ach, echt?” Tom war völlig durch den Wind. In der einen Hand hielt er ein Glas mit einer dunklen zähen Flüssigkeit, die tatsächlich aussah wie Rohöl, wenn es frisch aus dem felsigen Boden hervorspritzt. In der anderen eine Phiole mit einem Strohhalm und uringelbem Saft mit blauen Punkten. Unterm Arm hatte er eine Flasche Bourbon. Sie war noch nicht offen, also musste es, nach Toms Zustand zu urteilen, schon seine zweite sein. “Na ja, auch egal. Solange der Boss weiß, dass ich dich eingeladen hab’, kann’s mir egal sein. Hier, nimm was. Du siehst aus, als hättest du ‘ne Leiche im Kofferraum.”

Um dieses Durcheinander zu verstehen, muss man wissen, dass Toms Vetter bei den kanadischen Behörden ein hohes Tier war, und weil die Grenze zu Kanada keine zwei Meilen entfernt lag, war es Tom ein Leichtes, genügend illegalen Alkohol herzuschaffen, dass es eine Horde ausgelaugter Wilder, wie sie die Van Dorns belagerten, zufriedenstellen würde. Die Prohibition war schon in ihrem siebten Jahr, aber ob sie das Jahrzehnt überstehen würde, war völlig unsicher. Sie zeichnete sich in erster Linie dadurch aus, dass jeder ein Schlupfloch kannte, um sie zu umgehen. Und obwohl die Ford Corporation sich als gottesfürchtiges Unternehmen in aller Öffentlichkeit für eine Beibehaltung der Prohibition aussprach, war Tommy Van Dorn sonnenklar, dass es mit dem Geschäftemachen bald ein Ende haben würde, wenn er auf seinen Partys allen Ernstes Apfelsaft anbieten würde. Die Polizei in 20 Meilen Umkreis war eingeweiht, damit auch nicht zufällig ein Schnösel auf die haarsträubende Idee kam, zur falschen Zeit am falschen Ort Kontrollen durchzuführen.

“Hey, was ist los mit dir? Du trinkst nicht, du rauchst nicht und du isst auch angeblich kein Fleisch. Ich kapier nicht, was da drüben bei euch los ist.” “Wer sagt das?” “Die Reporter.” “Tommy, gib mir die Flasche, ich muss mit dir reden.” “Die gehört mir!” Tom sträubte sich wie ein beleidigtes Kind und zerrte an der Flasche unter seinem Arm, obwohl Alfred sich nicht rührte. Tom murmelte etwas von “scheiß Korken” und im selben Moment kippte er nach vorn.

Alfred hielt ihn im Arm und Tom brabbelte halb ohnmächtig vor sich hin. Aber Alfred hat keine Zeit für Spiele. Er lehnte Tom an die Ottomane neben der Tür, trat hinaus ins Foyer und weckte dort einen Diener, der im Dunkeln döste. Zusammen schafften sie Tom ins Bad. “Geht es Mister Van Dorn nicht gut?” “Er wollte sich nur umbringen. Machen Sie sich keine Sorgen.” Der Diener glotzte Alfred sehr überrascht an, sagte aber nichts. Wortlos hielten sie Toms Kopf unter den Duschhahn. Japsend und unter einem Gewitter von Beschimpfungen schüttelte sich Tom und streckte den beiden Männern die Zunge heraus. “Das habt ihr davon.” Tom hustete Wasser aus der Nase und jammerte herum. “Wo ist Mae? Ich will Mae sehen. Sie hat dieses süße kleine Kinn, an dem ich mich immer reiben kann, wisst ihr?”, er schniefte. “Das solltet ihr auch mal machen.” Der Diener senkte beschämt den Kopf und ging aus dem Bad. Tom tapste auf dem Boden mit seinen nassen Socken. “Scheiß Korken.” “Was hast du bloß mit diesem Korken? Sieh mich mal an.” Tom reckte den Kopf und Alfred gab ihm schnell zwei Ohrfeigen. “Ouch! Du Arsch. Tu das nie wieder.” “Nimm’s mir nicht übel, aber ich brauch dich jetzt.”

Eine Viertelstunde später war Tom Van Dorn den Umständen entsprechend wiederhergestellt, mit frischen Pantoffeln und einem blauen Bademantel. Auf dem Rücken waren mit weißem Faden Tommys Initialen eingestickt: “T.V.D.”. Tom hatte es selbstständig ins Schlafzimmer im ersten Stock geschafft, wo Alfred mit ihm ungestört reden konnte. Nun kämmte er sich rasch die nassen Haare nach hinten, um die Wählscheibe des Telefons besser lesen zu können. “Ja, hier ist Mister Van Dorn. Ja, ganz bestimmt. Ja. Nein, kein Scherz. Er soll wirklich herkommen. Natürlich ist es wichtig, Sie verfluchter Idiot!” Tom hing den Hörer in die Gabel. “Diese gehirnamputierten Zwerge.” Er angelte sich eine Zigarette aus dem Etui neben dem Telefon und steckte sie sich mit atemberaubender Geschwindigkeit an. “Du auch?” Alfred schüttelte den Kopf. “In 55 Minuten ist er da.” Er blies den Rauch aus.

Tom war wieder der Alte. Das sah Alfred an den zitternden Fingern, mit denen Tom die Zigarette in Händen hielt. Es war der Preis, den er zahlen musste für dieses Schlafzimmer, dieses gewaltige Haus, den Rasen davor, das Zelt draußen mit dem Orchester, die vier Limousinen in der Garage, und ja, eine Frau wie Mae. Tag und Nacht stand er zur Verfügung, und der Aktienkurs entsprach Toms Puls, nur in umgekehrtem Verhältnis. Deshalb musste man, hatte man Tom gern, und es gab eine Menge Leute, die Tom gern hatten, für ihn hoffen, dass Fords Aktienkurs nicht eines Tages völlig einbrach.

“Und den Mist hast du nicht erfunden?” Tom lief mit ausgestrecktem Zeigefinger durch das Zimmer, wischte über die Regale und betrachtete danach kritisch seine grauen Fingerspitzen. Alfred saß im Sessel und blätterte in der Familienchronik der Van Dorns, einem schweren Lederband, goldumrahmt. Auf jeder Seite stand V.D., damit auch jeder jederzeit wusste, womit er es zu tun hatte. “Aber wer fährt denn schon mit der Bahn? Das sind doch nur Obdachlose. Du wirst doch vor Obdachlosen keine Angst haben.” “Bist du schon mal mit der Bahn gefahren?” “Spinnst du? Mae würde mich umbringen.”

Tom Van Dorn hatte ein ausgesprochen ungewöhnliches Schicksal. Weil sein Vater sich ohne Grund vom Familienclan der Van Dorns losgesagt, dieses Anwesen erbaut hatte und dann im Handumdrehen pleitegegangen war, besaß er zehn Hektar Wiese, 100 Jahre alte Möbel, einen Haufen Antiquitäten, eine riesige Villa, aber kein Kapital, um den Unterhalt dafür zu zahlen, geschweige denn, all das mit Leben zu füllen. Tom war ein Gefangener seiner Tradition. Aufgewachsen als Spross der Van Dorns, hatte er den gewohnten Gang der Ausbildung durchlaufen, um dann als Graduierter am Massachusetts Institute of Technology, wo er und Alfred Freunde geworden waren, mit 24 festzustellen, dass er für Geld arbeiten musste. “Das scheiß Haus musst du ja auch heizen. Du kannst keine Party veranstalten in einem Kühlschrank.”

Aber mochte da kommen was wolle, Tommy blieb am Ende doch immer ein Van Dorn und hatte Gewissheit, dass er zu einem besonderen Geschlecht von Atreiden gehörte, jene alteingesessenen Familien, die in den frühen Zeiten einer zerstrittenen Nation einmal das Sagen gehabt hatten, gemeinsam mit den Demmes, den Clefs, den Rutherfords, den Stuyvesants, den Hamiltons und einigen anderen mehr. Clans, die heute absolut kein politisches Gewicht mehr besaßen, aber eine aristokratische Tradition mit Namen voller Glanz und auf ewig stolz.

Alfred hingegen war in Brooklyn aufgewachsen, und mit seinem “Sloan” kam er daher wie ein räudiger Hund, der sich seiner Flöhe durch den Sprung in einen öffentlichen Brunnen entledigt hatte. Das “P.” hatte noch einen letzten Hauch Extravaganz gerettet, die ihm schon in der Studienzeit einige Türen geöffnet hatte. Alfred Sloan, das konnte irgendjemand sein, ein gewiefter Unternehmer vielleicht, ein Mann mit Adlerblick und einem fauchenden Kinn, ein wohlhabender, ein einflussreicher Mann gar. Aber Alfred “P.” Sloan – das war eine ganz andere Liga. Alfred hatte dieser Klassenunterschied dennoch nie ernsthaft interessiert, und auch aus diesem Grund waren er und Tom Freunde geworden. Beide endeten im selben Gewerbe, der eine durch Abstieg, der andere durch sozialen Aufstieg. In ihrer Freundschaft hatte keiner von ihnen diesem Umstand in mehr als 20 Jahren jemals einen Funken Bedeutung beigemessen.

Die Ankunft von Henry O. Brannigan dauerte wie von Tom vorhergesagt exakt 55 Minuten. Aber Henry O. war scheinbar zuerst ins Partyzelt marschiert. Man konnte sein Brüllen noch im 1. Stock vernehmen, als er, der es hasste Leute zu suchen, unüberhörbar nach Tom rief: “VAAAN DOOOOORRRRRN!”, gefolgt von einem Ausbruch an Gejaule und Gekicher. Henry sah wohl ein, dass seine Eigenschaft als Chef der Personenkraftwagen des bis vor Kurzem größten Automobilherstellers der Welt zu dieser Uhrzeit absolut keine Bedeutung mehr hatte, denn kurz darauf hörte man Schritte in der Halle des Hauses, die rasch die Treppen hinaufkamen.

Dass er unter den vielen Zimmern dann ausgerechnet Toms Schlafzimmer gewählt hatte, war kein Zufall, denn in seiner Begleitung erblickte Alfred niemand anderen als die reizende Mae Van Dorn. Sie hatte das Gebrüll im Zelt wahrscheinlich sofort unterbunden und Henry heraufgebracht. Tom saß an sein Klavier gelehnt, das er seit zehn Jahren nicht angerührt hatte, und drohte vor Müdigkeit am glatten Lack abzurutschen. Alfred blätterte immer noch in der Van-Dorn-Chronik und starrte die immer selben Sepiafotos an, unter denen sich lediglich die Jahreszahlen änderten. Henry überwand sich und ging mit federnden Schritten auf Alfred zu. “Es muss wohl ziemlich wichtig sein. Habt ihr ‘n Kaffee?” Mae hatte schlechte Nachrichten. “Ich glaube, der Kaffee ist alle.” Henry musste einsehen, dass es wirklich nur ums Geschäft ging.

Alfred holte den Bericht hervor, der ihn veranlasst hatte, um Mitternacht bis hierher an die kanadische Grenze zu fahren, um in einem geheimen Treffen Henry O. Brannigan von der Ford Corporation etwas mitzuteilen. Er bot Henry die eng geschriebenen Seiten an, aber Henry schüttelte den Kopf. “Sag‘s mir in deinen eigenen Worten. Ich hab’ für so was keine Geduld mehr.” Und so kam es, dass Alfred Henry einen Einblick gewährte in eine Angelegenheit, die ihn seit mehreren Stunden beschäftigt hatte.

Sorge kroch erneut in ihm hoch, ein Gefühl fehlender Kontrolle, vielleicht sogar Ohnmacht, während seine Hände über das bedruckte Papier glitten und er Henry aufmerksam machte auf die eng geschriebenen Statistiken.

Die bemerkenswerten Zahlen galten den elektrischen Bahnen im öffentlich-städtischen Verkehrsnetz des Staates New York. Die New York Railways Corporation war jedem in der Automobilbranche ein Begriff und viele, auch Alfred selbst, waren damit auch schon gefahren. Die Bahn war praktisch, nicht teuer und schnell. In diesem Bericht, der mit dem Zusatz “vertraulich, P.o.B – President of the Board” versehen war, stellten die Verfasser jedoch eine interessante und eben besorgniserregende Verbindung her zwischen General Motors anvisierter Absatzsteigerung, der Bevölkerungsentwicklung in den östlichen und westlichen Ballungsräumen und eben der New York Railways Corporation.

Normalerweise hätte der Firmenvorstand beschlossen, das gesamte Bahnsystem einfach aufzukaufen und dem Konzern einzuverleiben. Das aber war im Falle New Yorks nicht möglich. Wenn auch in privater Hand, waren die Stadtbahnen vom Gesetz vor einem Erwerb durch Konzerne wie General Motors geschützt. Zudem entzogen sie sich, durch Strom angetrieben anstatt mit Benzinmotoren, dem Einfluss der ölverarbeitenden Konzerne, die zu den Verbündeten der Automobilindustrie gehörten.

Die wesentliche Erkenntnis des Berichts war die alarmierende Tatsache, dass die Entwicklung des öffentlichen Bahnnetzes in New York dem Zugriff von General Motors und damit allen anderen Automobilfirmen völlig entzogen war. Ein Konkurrent aber, den sich General Motors nicht einverleiben konnte, der sich aber auch nicht durch Preiskämpfe in die Knie zwingen ließ, da er ja Bahntickets und nicht Automobile verkaufte, war eine permanente Gefahr. GM hatte seine Krisen immer nur bewältigt, weil die Firma Konkurrenten aus dem Weg geräumt hatte.

Wenn aber Alfred nichts unternahm, würden weitere Städte dem Beispiel folgen und ein eigenes Bahnsystem aufbauen, das, so wie in New York und einigen anderen Orten, schon sehr erfolgreich die vielen Millionen Pendler Tag für Tag zu den Büros, den Fabriken, den Theatern und Kinos und natürlich auch wieder zurück brachte, und hinunter zu den Stränden von Brighton Beach oder Newport, den Konfirmationsfesten auf Long Island, Springfield und Williamsburg, den Schwiegereltern in Connecticut oder Jacksonville und den Soldatenfriedhöfen vor New Jersey, Chattanooga und Richmond. Mit anderen Worten: Millionen und Abermillionen Kunden im ganzen Land, die ebenso ein Automobil hätten kaufen können, es aber nicht tun würden, weil das in einer Stadt mit einem funktionierenden Bahnsystem völlig sinnlos war.

“Das sind alles Leute ohne ein Auto?” Alfred nickte. “Und früher oder später ziehen die anderen nach. Cincinnati, St. Louis, Atlanta. “

Alfred hatte Henry mit seiner Panik mittlerweile angesteckt, denn in Henrys Fantasie fiel bereits eine Metropole nach der anderen den gierigen Bahnbetreibern in die Hände, um auf ewig in einer parallelen Dimension gefangen zu sein, in einer Welt ohne Automobil. New York, Boston, Baltimore, Chicago, Philadelphia, Pittsburgh. Auf einmal war es wie ein unübersichtliches Dominospiel, und Henry griff entgeistert nach Toms Bourbon.

“Von Kalifornien will ich gar nicht reden. Die glauben, ihre Bahn ist die beste Bahn auf der ganzen Welt.” “Du meinst Pacific Electric?”, fragte Alfred. Henry stürzte den Bourbon hinunter. “Ich war letztes Jahr dort, Al. Ich hab’ sie gesehen. Sie hat rote Waggons, so rot wie ein reifer Pfirsich. Und die Gleise erst. Feinster Stahl aus Pittsburgh.” Alfred rückte näher an Henry heran: “Hör mir zu, Henry. Ford und GM sind die Platzhirsche. Wenn wir anfangen, ziehen alle anderen mit. Aber ohne deine Hilfe geht es nicht.” “Aber du hast doch bestimmt einen Plan. Sonst wärst du nicht hier und ich auch nicht.” “Na ja”, Alfred wirkte für einen Moment verunsichert, “ein Nichtangriffspakt.” Henry sah Alfred mit zusammengekniffenen Augen an: “Al, alles was ich kann, ist verkaufen, und du willst, dass ich mir die Hände zusammenbinde, freiwillig ins Wasser springe und schwimme.” “Ich verlange nichts, was wir nicht schon mal gemacht haben. Ehrenwort. Ich will nichts anderes als eine gemeinsame Strategie gegen die städtischen Bahnen. Deinen Verkauf wird kein Mensch antasten. Alles, worum ich dich bitte ist, dass wir unsere Aktionen gegen die Bahn koordinieren, anstatt einzeln über sie herzufallen. Im Kampf gegen die Bahn keine Konkurrenz. Kriegst du das hin?” Henry überlegte. “Denk daran, wir haben einen großen Vorteil. Die Bahnen können nicht untereinander kooperieren. Die in New York haben nichts zu tun mit denen in Newark oder Baltimore. Das sind alles völlig getrennte Systeme. Ihr Kapital ist begrenzt und ihre Macht endet an der Stadtgrenze. Aber unsere nicht. Verstehst du, worauf ich hinauswill?” Henrys Blick klärte sich. Er wusste, worauf Alfred hinauswollte. Aber so wie jedem Verkäufer graute ihm vor Plänen, die nicht er sich ausgedacht hatte. Individuelle Logik konnte verheerende Wirkung haben, wenn man aneinander vorbeiredete. “Während wir unsere Mittel konzentrieren und uns gemeinsam immer nur eine Stadt auf einmal vornehmen, bleiben sie getrennt und schwach.” “Was soll ich Big Boss erzählen? Ich hab’ keine Lust, meine Stelle zu verlieren, nur weil er Sodbrennen kriegt von dieser Story.” “Big Boss erzählst du nichts. Ich werde du Pont auch nichts erzählen. Die Konzernleitung, die Besitzer, die Aktionäre – niemand wird es jemals erfahren. Die Sache hat nie stattgefunden. Es bleibt unterhalb der Spitze. Keine Dokumentation. Keine Protokolle. Keine Journalisten.”

Henry wog den Kopf. Er begriff nun, wie folgenschwer und umfassend Alfreds Vorstellungen waren, und es gefiel ihm. Die Idee hatte Substanz. Alles, was Substanz besaß, konnte er verkaufen. Deshalb war er in der Automobilbranche gelandet und nicht in der Politik.

“Ich werde ein informelles Treffen vorschlagen. Sagen wir in New York, beim Finale der World Series. Die Stadt wird voll sein. Der Gouverneur kommt, er hat Chaplin eingeladen. Er hat es sogar geschafft Sousa zu überzeugen, mit seiner Kapelle auf dem Times Square aufzutreten. Tausende Fans, vielleicht auch der Präsident. Das ist genug Zucker für die Zeitungen. Es wird keinen interessieren, wenn wir auch da sind.”

Alfred hatte schon heiße Ohren. Die ganze Operation war improvisiert. Er hatte wie in einem Anfall dazuerfunden und immer weiter dazuerfunden, als wäre er einer dieser bemitleidenswerten Drehbuchautoren in Santa Monica, die bis zum nächsten Morgen zehn Filmideen aufs Blatt bringen mussten, sonst würden sie aus dem Hotelzimmer geschmissen. Aber als er geendet hatte, war ihm plötzlich alles völlig klar. “Das klingt wie 1917.” “Es ist 1917. Wir werden Krieg führen, Henry, aber ohne Kriegserklärung, und das Land wird es niemals erfahren.” Alfred hielt wieder inne. “Ich hab’ bloß noch keine Ahnung, wie wir es anstellen sollen.” “Ich rede mit unserer Rechtsabteilung. Wenn du wirklich Krieg haben willst, brauchst du Anwälte. Jeder braucht Anwälte.”

Die ganze Zeit hatten Tom und Mae mit offenem Mund danebengestanden. Mae weniger, weil sie erstaunt gewesen wäre, als vielmehr, weil sie vergaß, ihren Mund zu schließen, und so kamen ihre hübschen weißen Beißerchen zum Vorschein, die nach mehrjähriger Tortur mit permanenten Zahnspangen das in Hollywood so geschätzte Oval erreicht hatten.

Tom aber hatte den Mund nicht geschlossen, weil er wirklich überfordert schien von der Tragweite des Vorhabens, dessen Zeuge er soeben geworden war. Ihm fiel nicht mehr ein als: “Seid ihr größenwahnsinnig?” Alfred überlegte, ob es sich lohnte, um zwei Uhr nachts darüber zu diskutieren, ob er größenwahnsinnig war oder doch nur müde, oder ob er einfach recht hatte, weil er gar keine andere Wahl hatte. In dem Moment aber kam aus Maes immer noch geöffnetem Mund ein rollender Laut. Maes Versuch, die Zunge in Bewegung zu bringen, was wegen des Absinths in ihrem schmalen Körper eine Weile in Anspruch nahm, um dann etwas schlampig und nicht unbedingt elegant, aber wen interessierte das jetzt schon, zu sagen: “Wenn ihr mich fragt, ihr braucht ‘ne Tarnung.” “Mae, was redest du da?” “Hast du Tomaten auf den Ohren? Sie brauchen ‘ne Tarnung, ‘n Ablenkungsmanöver.” “Brüll nicht so rum, wir haben dich schon verstanden.” Tom hatte eigentlich schon im Stehen die Augen geschlossen, denn er wollte ins Bett. Aber in Mae war das Leben wieder zurückgekehrt: “Warum hältst du dann nicht die Klappe?”

Eine kurze Pause herrschte. Mae wankte stumm auf dem Teppich mitten im Zimmer. Die drei Männer starrten sie an und Mae starrte schwankend zurück. “Was is’?” “Wir warten, Mae.” Tom konnte sich kaum auf den Beinen halten. “Auf deine Tarnung.” “Ach so, richtig, die Tarnung.” “Mae, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit. Ich will ins Bett.” Mae glotzte wieder in die Runde, die Männer glotzten zurück und Alfred schaute höflich auf die Uhr, nicht sicher, wer im Raum der Verrückteste war. “Wenn ihr diese Kameltreiber plattmachen wollt, dann braucht ihr ‘ne Tarnung, so wie ‘n Trojanisches Pferd, ihr stellt ‘n Pferd aus Holz vor die Brooklyn Bridge, steckt ‘n paar Typen mit Schwertern rein, die ziehen das Pferd nichts ahnend in die Stadt und ihr guckt, was passiert.” Tom rutschte um ein Haar vom Klavier. “Du hast ja nicht alle Tassen im Schrank.” Mae hörte nicht hin. “Ist doch logisch, dass so ‘n Pferd aus Holz nie existiert hat und nur ‘ne Metapher ist. Die haben denen einfach ‘ne Falle gestellt, weil sie anders nicht reingekommen wären. Und wenn Al und Henry hier Odysseus und seine Kumpels sind, dann ist das Pferd die Tarnung und diese Trojaner sind die Typen von der elektrischen Bahn. Hast du es jetzt kapiert?” Mae triumphierte und stieß einen indischen Elefanten aus blauem Porzellan vom Klavier.

Das Erstaunliche an dieser Episode war allerdings, dass Alfred, sobald Mae geendet hatte, sich plötzlich wieder erinnerte, wie sehr ihm Mae früher imponiert hatte mit ihrem Verstand. Aber wegen ihres fabelhaften Aussehens wurde sie von keinem ernst genommen. Denn Mae hatte, den Magen voll mit Absinth, das enge Kleidchen verklebt vom Tanzen, in ihrem Suff die Lösung des Problems erkannt. Alles was ihnen fehlte, und darin lag Maes Sekundengenie dieser Nacht, war tatsächlich eine Tarnung, eine Falle, ein Trojanisches Pferd, das es ihnen gestatten würde, unbemerkt einen Fuß in die Bahn zu bekommen. Alfred wäre Mae gerne um den verschwitzten Hals gefallen, aber der Sessel, auf dem er inzwischen Platz genommen hatte, war so bequem, dass er diesen Ausbruch an Emotion nicht rechtfertigen konnte, und so blieb er sitzen und schwieg.

Mae, das war eigentlich Mary-Lou Browning, Tochter eines fernen Verwandten John Brownings, dem legendären Erfinder der Winchester Repetierbüchse und des Browning Revolvers, und ganz nebenbei war sie auch Toms große Liebe, obwohl Alfred Mae länger gekannt hatte als Tom.

Mit ihrem wohlproportionierten Gesicht und ihrer Figur hätte Mae ohne Weiteres beim Film landen können, dem Traumziel eines jeden Mädchens und einst auch das ihre. Aber aus unerfindlichen Gründen hatte sie die Karriere ohne Not eines Tages in den Wind geschlagen. Niemand wusste, was geschehen war, aber vermutlich war sie schlussendlich das eine Quäntchen zu klug, zu empfindsam und dachte zu viel nach. Es fehlte ihr an Egoismus und Zerstörungswillen, um sich über die Träume anderer Mädchen, die genauso geeignet gewesen wären, hinwegzusetzen. Aber die Erinnerung an ihre verlorenen Träume machte sie verbittert. Seitdem vergrub sie sich in philosophische Texte, studierte Karl Marx, wusste alles über das Scheitern der Räterepublik und las William Blake in sündhaft teuren Sonderdrucken, die sie sich aus England kommen ließ. Ach ja, und sie entdeckte ihre Liebhaberei für Partys und Absinth.

Der Abend hätte in zufriedener Eintracht so weitergehen können, denn gemeinsam lauschten sie nun “Yes we have no bananas”, das aus dem Zelt herüberklang, vorgetragen von einer der Revuetänzerinnen, die sich von ein paar Millionären dazu hatte breitschlagen lassen und die sie später noch nach wohin auch immer begleiten würde.

Mae aber, ermutigt durch ihre kleine Anekdote und vermischt mit dem Mangel an Selbstdisziplin, der einen nach überstandener Müdigkeit in der Nacht oft überkommt, sagte etwas leichtfertig zu Alfred: “Ich hab’ übrigens Allison gesehen.”

Alfred hob den Kopf. Tom verzog den Mund. “Verflucht, Mae, nein.” “Aber natürlich. Ich hab’ sie sogar kurz gesprochen.” “Verflucht, Mae.” “Ich hab’ doch nichts getan.” Henry O. Brannigan war der Einzige, der nicht verstand, was unversehens so viel Energie in das Ehepaar gebracht hatte. “Allison?” “Allison Ayers.” “Noch nie gehört. Arbeitet die für mich?” “Sie ist eine Schauspielerin, Mr. Brannigan.” “Das ist Bettys Ressort. Ich kenne mich mit diesen Schauspielern nicht aus. Ich verstehe nur was von Rindern und Autos.”

Der Einzige, der nichts gesagt hatte in diesem kurzen Aufbrausen, war Alfred. Stattdessen stand er entschlossen auf und nickte den anderen kurz zu. Während Tom davon überfordert war, sich aufzurappeln und den Abschied Alfreds zu organisieren, den er spontan beschlossen hatte, reichte Alfred Henry, der sich jetzt von Alfreds Hektik ebenfalls wieder anstecken ließ, die Hand: “Tut mir leid, dass es so unerwartet kam.”

Tom fluchte ein paar Mal, gefolgt von einem “Tut mir leid, Mr. Brannigan”. Mae suchte verzweifelt irgendwelche Pantoffeln unter dem Klavier. Alfred ging weder zu schnell noch zu langsam aus dem Zimmer Richtung Treppe, damit es nicht so aussah, als würde er flüchten. “Du Idiotin! Allison Ayers!” “Ich habe wirklich keine Ahnung, wer diese Mrs. Ayers sein soll”. Henry kratzte sich am Kopf. Tom zog Maes Pantoffeln unter der Ottomane hervor und reichte sie ihr wütend. Mae schlüpfte hinein und trippelte Alfred hektisch hinterher. “Warte Al! Ich komme!”

Halb wartete Alfred, halb strebte er der Haustür entgegen. Unten hielt er Mae die Tür auf, bis sie in Reichweite war, und bewältigte dann in ein paar Sätzen die Freitreppe vor der Zufahrt. Mae fror und blieb oben stehen. “Al, es tut mir leid. Sei mir nicht böse, Al. Bitte.” Alfred hob beschwichtigend die Hand zum Abschied und ging rasch zum Tor hinaus, wo sein Chauffeur Barnie mit dem Cadillac schon auf ihn wartete.

Allison Ayers, das war für Alfred, was die Schauspielerei für Mae und der vergangene Familienruhm der Van Dorns für Tom. Allisons Name hatte in ihm eine Panik ausgelöst wie die New Yorker Bahn im Büro, und Panik ließ sich nur mit Reaktion und Handlung bewältigen. Alfred gelangte auf die Landstraße, klopfte ans Fenster seiner Limousine. Barnie war wach. Er hatte in weiser Voraussicht Kaffee mitgebracht. Alfred setzte sich wortlos hinten in den Wagen. Barnie legte seinen Kaffee aus der Hand, drehte den Anlasser, ließ mit einem Knall den Motor an, und mit einem folgenden tiefen Brummen rollte das Fahrzeug los.

Es war das Jahr 1919 gewesen und der Krieg seit fast einem Jahr vorbei. Die Menschen in New York standen auf den Bürgersteigen und folgten aufgeregt den Blaskapellen, die jeden Abend durch die Viertel marschierten und fröhlich John Philip Sousas Militärmärsche intonierten. In jenem Sommer hing über der ganzen Stadt der Dunst von Spannung und Lampenfieber, und die Bewohner waren in freudiger Erwartung des neuen, nahenden Jahrzehnts und was es an Überraschungen für sie bereithalten würde. So malten sich auch zwei Liebende ihre kommenden Tage in den buntesten Farben aus, ein purpurfarbenes Glitzern rauschte an ihnen vorbei und der betörende Duft von Angst vor dem großen Glück breitete sich um sie herum aus. Wann immer der Ingenieur Alfred P. Sloan und die Filmschauspielerin Allison Ayers in diesen Wochen der Euphorie zusammen in der Öffentlichkeit auftraten, fühlten sie den Neid, aber auch die freundliche Neugier um sie herum, so selbstsicher und verliebt spazierten sie jeden Sonntag über den Broadway.

Beide hatten in ihrer Jugend eine vorzügliche Ausbildung erhalten, und beide hatten bereits einen beträchtlichen Weg des Erfolgs zurückgelegt. Alfred ein Stück mehr als Allison, aber er war auch zehn Jahre älter und Inhaber einer Firma mit einem ausgezeichneten Ruf, die Kugellager für die noch junge, aber rasch wachsende Automobilindustrie herstellte. Allison, die sich mit 18 Jahren für die Filmschauspielerei entschieden hatte, hatte aber trotz der zehn Jahre nicht weniger Überzeugung oder Zielstrebigkeit. Die Lebensspanne einer erfolgreichen Schauspielerin im Filmgeschäft war ereignisreich, aber ebenso kurz.

Anders gesagt, Alfred hatte mehr Zeit zur Verfügung als Allison, um seine Vorstellungen vom Leben umzusetzen. Doch keiner von ihnen sah darin einen Anlass zur Sorge, bis sich in jenem schicksalhaften Jahr 1919 beider Hoffnungen sehr plötzlich und auf sehr unerwartete Weise erfüllten.

Obwohl Allison in New York arbeitete und dort bekannt war, zog es sie nach Kalifornien. Das Filmgeschäft war damals noch furchtbar jung und Produktionsfirmen wurden jede Woche neu gegründet und verschwanden ebenso unbemerkt wieder.

New York war das Zentrum einer Nation, die sich anschickte, die alten Mächte Europas zu überflügeln, getragen von Möglichkeiten, soweit das Auge reichte. Aber New York war zugleich alt und gesättigt. Die Romane, die in New York spielten, waren Romane vom Untergang. In Kalifornien spielten keine Romane mehr, sondern Filme, und weil Filme nach immer neuen Gesichtern verlangten, zogen jede Woche Scharen abenteuerlustiger junger Menschen nach Hollywood.

Allison hatte Alfred davon mit leuchtenden Augen erzählt und stachelte ihn an, einen Zweitsitz seiner Firma an der Westküste zu eröffnen und mit der Firma zu expandieren. Mieten und Immobilien waren billig und Konkurrenten rar. Sie entwarf ein utopisches Szenario, in dem er und sie nur die Meeresküste wechseln müssten und die kleinste Kleinigkeit würde Großes bewirken. Der Zauber der Filmstudios, das California Valley, der brausende Pazifik. Beide könnten ihre Träume ohne Kompromisse weiterverfolgen und wären doch füreinander da.

Alfred erkundigte sich alsbald nach den Möglichkeiten, den Gesetzen des Staates Kalifornien für Firmengründungen, nach steuerlichen Erleichterungen Neuzugezogener, eruierte die Expansionspläne der Automobilfirmen und den anvisierten Straßenausbau.

Zur selben Zeit jedoch erhielt Alfred das Angebot, die Anteile seiner Firma zu verkaufen und dafür eine hohe Stellung bei General Motors in Detroit zu übernehmen. Detroit war nicht unbedingt Los Angeles. Genau genommen lag zwischen beiden Städten eine Entfernung von 2300 Meilen, in einer Zeit, da Flugzeugreisen noch eine seltene Ausnahme darstellten. Doch Alfred schwieg. Weder erwähnte er das Angebot gegenüber Allison, noch ermutigte er sie, weiter über Kalifornien zu erzählen.

Allison hatte die Veränderung zunächst hingenommen und sie war auch bereit, ihre Pläne ruhen zu lassen. Sie entschied sich, eine Weile zu warten, warten auf ihn, warten auf Zeichen, die er ihr geben würde. Aber Zeichen kamen nicht, stattdessen ein Brief. Der Besitzer von General Motors persönlich, Pierre du Pont, lud Alfred zu sich nach Hause ein, zur Unterredung, zweifelsohne um Alfred ein Angebot zu unterbreiten, das er nicht ablehnen konnte.

Dazu muss man sagen, dass der Name du Pont in dieser Zeit nach dem Krieg einen magischen Klang besaß. Du Pont, das war wie Rockefeller, wie J.P. Morgan, wie Carnegie, nur älter, edler und einen Tick altmodischer.

Du Pont war eine aus dem vorrevolutionären Frankreich stammende Dynastie und zugleich der weltgrößte Hersteller von Sprengstoffen. Seit mehr als 100 Jahren versorgte er das amerikanische Militär mit Schießpulver. Mit den Gewehrkugeln, die in den Schlachtgetümmeln von Gettysburg abgefeuert, den Kanonenrohren, die auf den Feldern Virginias eingesetzt worden waren, hatten die du Ponts ein Vermögen verdient, als Lieferanten beider Seiten dieses nie enden wollenden Krieges. Sie gehörten zu den Krösussen unter den Industriefamilien des vergangenen Jahrhunderts und bestimmten mit über die Geschicke des amerikanischen Industrieimperiums. Und in dem Augenblick, als Alfred das märchenhafte Anwesen der du Ponts in Longwood Gardens betrat, kurz vor den Toren Philadelphias gelegen, wusste er, dass er verloren hatte. Was konnte Allison schon ausrichten gegen einen Drei-Uhr-Nachmittagstee bei einem Industriemagnaten, der 200 Millionen Dollar schwer war.

Dass Allison daraufhin ihren Koffer packte, war überraschend, und auch nicht. Sie hatte inzwischen mit Erfolg für eine Rolle in einem Bürgerkriegsdrama der Paramount Pictures Filmproduktion vorgesprochen. Noch im selben Monat sollte mit den Vorbereitungen begonnen werden, und so wurde sie dringend in Los Angeles erwartet. Als sie dann eines Morgens beide am Bahnhof standen, hielt Alfred den Griff ihres Koffers umfasst und schwieg.

Allison trug einen dunklen Faltenrock. Die blonden Haare hatte sie streng nach hinten gekämmt und unter ihrem Kopftuch mit einem Knoten festgebunden. Sie hatte sich hinter ihrer Sonnenbrille sehr aufmerksam gepudert, und nur an der roten Nasenspitze hätte man vermuten können, dass dieser Puder mehr war, als Puder gemeinhin sein soll. Alfred wiederum hatte etwas Unerschrockenes. Gewiss, er trug eine Hose, ein Hemd und auch einen Hut. Aber er hätte genauso gut etwas ganz anderes tragen können. Nicht die Kleidung formte ihn, es war ein Gefühl, eine Erinnerung, die von ihm ausging und sich im Raum herum verfing. Allison wollte ihm über die Wangen streichen, doch er wehrte ab, trotz der Tränen, die ihm über das Gesicht liefen. “Komm mit mir mit”, flehte sie ein letztes Mal vergeblich. Seitdem hatte er Allison nicht wieder gesehen. Das war sieben Jahre her.

“Sir, geht’s Ihnen gut?” Alfred hatte tatsächlich geweint im Schutze der Dunkelheit auf dem Rücksitz, und er war unvorsichtig geworden, denn das Licht der Scheinwerfer eines entgegenkommenden Wagens wurde kurz auf seine Wange reflektiert und hatte einen Strahl in Barnies Rückspiegel geworfen. Unauffällig wischte Alfred die Tränen ab. Doch er fühlte sich jetzt erleichtert. Behutsam kramte er einen Schreibblock aus seiner Manteltasche, knipste ein kleines Leselicht über dem Sitz an und begann konzentriert zu notieren. Alles was an diesem Abend geschehen war, Henrys Anmerkungen, Maes verrückte Geschichte, alle Ideen, die Alfred durch den Kopf gegangen waren. Er war zurück. Die Kraft war wieder in ihm und die Gespenster, die Mae herbeigerufen hatte, gebannt. Als Alfred das Büro erreichte, brach über Detroit bereits der Tag an.

Die Matrosen auf den Frachtern, die sich bei Morgengrauen über den Detroit River einen Weg bahnten, ließen ihre Augen am Ufer entlangschweifen und wussten nicht, ob sie Ehrfurcht oder Stolz empfinden sollten beim Anblick dieser Skyline. In wenigen Jahren war Detroit zu einem Ungetüm herangewachsen, mit Straßenschluchten und wuchtigen Prachtbauten, nur noch überragt vom Cadillac Tower, dem höchsten Gebäude der Stadt. Seine Fassade war über und über bedeckt mit Fliesen aus Terrakotta und er beschrieb eine Höhe von genau 133 Metern. Doch obwohl nach einem französischen Einwanderer benannt – und der als Gründer Detroits in die Geschichte eingehen sollte –, dachten die Menschen, die den Cadillac Tower betraten oder verließen, bei Cadillac nicht mehr an einen Mann aus Fleisch und Blut. Sie dachten an ein Automobil, an einen Haufen Blech und Gummi, der nur zu Werbezwecken Cadillac getauft worden war.

Alfred lächelte voll Ingrimm über dieses Bild, denn es bedeutete nichts Geringeres als die Tatsache, dass ein Mensch im kollektiven Gedächtnis durch ein Produkt ersetzt worden war. Es war die neue Zeit. Sie drang durch alle Ritzen und in alle Poren, besetzte das Bewusstsein und machte, dass die Menschen der Gegenwart anders fühlten, als noch ihre Eltern, Großeltern und ihre Urgroßeltern gefühlt hatten.

Alfred hatte diesen historischen Wandel als einer der Ersten im Automobilgeschäft begriffen. Deshalb war er von du Pont in weiser Voraussicht überhaupt engagiert worden. Wie nur wenige andere, reduzierte Alfred alles auf ein theoretisches Modell, bis in den Gleichungen kein Korn Mensch mehr vorkam. Das half ihm die Verantwortung zu tragen, ohne in der Klapsmühle zu landen, denn kein vernünftiger Mensch hätte sonst behaupten können, er sei der Boss eines Ladens mit 120.000 Angestellten, 19 Fabriken und 1,2 Mio. verkauften Fahrzeugen. Wahrscheinlich war das auch der wesentliche Unterschied zwischen Alfred und Tom. Tom war der Ansicht gewesen, Alfred sei größenwahnsinnig. Aber Alfred betrachtete alles als eine rein abstrakte Operation. Alfred entfernte sich von der Realität, um sie besser in den Griff zu kriegen.

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Viele Jahre später, als alles vorbei war und jedermann sagen konnte: “Was gut ist für General Motors, ist gut für die Vereinigten Staaten von Amerika”, erinnerte sich ein kahler alter Mann mit einem Hut aus Stroh und Sandalen mit dünnen Lederriemen auf seiner Veranda daran, dass an dem Tag, als er erfahren hatte, dass Alfred Pritchard Sloan die Geschäfte in Detroit übernehmen würde, ihn dunkle Vorahnungen überkommen hatten. Dieser Mann sollte Alfreds letzter Gegenspieler werden im fernen Kalifornien, mit seiner unbesiegbar wirkenden Pacific Electric Railway, ihren Waggons, rot wie Pfirsich, und den Gleisen aus Pittsburgher Stahl. Doch zu ihm kommen wir sehr viel später, denn den alten Mann mit dem markanten Namen Jack Fulton-Smith verband noch eine ganz andere, sehr persönliche Geschichte mit Alfred, von der Alfred zu diesem Zeitpunkt noch nichts wissen konnte.

Vorher galt es erst einmal, ein sehr viel näheres Ziel dem Erdboden gleichzumachen, und dieses Ziel hieß: New York.

Folge 2: Tee mit Hoover

Ida Wellington war eben in Alfreds Vorzimmer eingetroffen, denn er vernahm das helle Klackern ihrer Mary-Janes von Ferragamo, die ihr Ehemann von einer Dienstreise aus Santa Barbara mitgebracht hatte. Eigentlich waren sie für jemand anderen gedacht gewesen, aber Alfred brachte es nicht übers Herz, es Ida zu sagen. Ida liebte ihren Mann, und natürlich liebte ihr Mann sie. Allerdings mit den Freiheiten, wie sie ein vom Leben enttäuschter Vertreter in seinen Vierzigern für sich beanspruchte, der in seinen frühen College-Jahren jene Handvoll Gelegenheiten, die sich einem Mann boten, nicht beim Schopf gepackt hatte und die ihn nun als Mann zweiter Klasse zurückgelassen hatten.

Um diese lebenslange Enttäuschung leichter zu ertragen, unterhielt er seit einigen Jahren in mehreren GM-Filialen Freundinnen. Alfred war über das alles bestens unterrichtet, sodass er Ida, deren Fähigkeiten als Sekretärin immensen Wert für ihn hatten, unter Kontrolle halten konnte. Mag sein, dass das schäbig war, aber deshalb nicht minder notwendig.

„Hallo Ida. Guten Morgen. Alles gut? Das ist fein. Freut mich. Ja, sehr schön. Ausgezeichnet. Nein, das reicht zu Mittag. Natürlich. Aber eine andere Sache: Könnten Sie das Bureau of Investigations anrufen? Ich würde gerne mit J. Edgar Hoover sprechen. Er leitet die Washingtoner Zentrale.“ „Mr. Hoover ist nicht in Washington, er hält sich zurzeit in Detroit auf.“ Alfred überrascht: „Woher wissen Sie das?“ „Ich habe schon mit Washington telefoniert. Fred ist noch auf Reisen und ich hab’ ein paar Unterlagen mit nach Hause genommen.“ Alfred schwieg. „Mr. Sloan? Sie kennen doch meinen Mann? Mr. Sloan? Hallo? Sind Sie noch dran?“

Alfred stellte sich vor, wie Ida Wellington seinetwegen in ihrer Küche saß und Papiere wälzte, während Fred Wellington im Cocoanut Groves in Hollywood übernächtigt Joan Crawford auf der Bühne beim Tanzen zusah und sich volllaufen ließ, während eines der piepsigen Models, das er von der Automobilschau mitgeschleppt hatte, seinen verspannten Nacken kraulte und das ganze Publikum um sie herum mit jeder Minute mehr in einen Taumel der Entzückung gezogen wurde, bis es Punkt Mitternacht Rosenblätter von der Decke regnete. Alfred vermutete, dass Ida noch nie im Cocoanut gewesen war.

„Ja, natürlich kenne ich Fred.“ „Sie sind mir doch jetzt nicht böse, Mr. Sloan? Dass ich das von zu Hause erledigt hab’.“ „Das war ausgezeichnete Arbeit. Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll.“ „Danken Sie nicht mir, danken Sie Mr. Hoover.“

Wie sich herausstellte, hielt sich Mr. Hoover seit Längerem schon in Michigan auf, und er hatte deshalb offenbar auch bereits Wochen zuvor mit General Motors Kontakt aufgenommen, ohne dass Alfred davon erfahren hatte. Es war bekannt, dass J. Edgar Hoover nichts dem Zufall überließ. Alfred war gespannt, wie der Austausch von Nettigkeiten verlaufen würde, denn die beiden Herren waren sich vorher noch nie begegnet. Nur eines wusste Alfred: J. Edgar Hoover war furchtbar jung und furchtbar ehrgeizig.

Nachdem Präsident Calvin Coolidge Hoover zwei Jahre zuvor zum jüngsten Direktor ernannt hatte, der das Bureau of Investigations jemals geleitet hatte, stand Hoover in der Pflicht. Coolidges Vizepräsident hieß Charles Dawes, dessen Bruder Rufus wiederum war einer der einflussreichsten Geschäftsleute Chicagos.

Charles’ Traum war es, die Weltausstellung nach Chicago zu holen. Es sollte ein weltweit aufsehenerregendes Ereignis werden, das Touristen und Investoren in die Stadt locken und so Chicago wie auch den Dawes’ großen wirtschaftlichen und politischen Gewinn bescheren würde.

Charles aber fürchtete um seine Pläne. Al Capone und Johnny Torrio hatten mit ihren Maschinengewehren, schnellen Autos und den gewaltigen Einnahmen aus dem Alkoholschmuggel Dawes und den anderen Mächtigen die Stadt streitig gemacht. Dawes wusste, dass kein Tourist jemals seinen Fuß in eine Stadt setzen würde, die unter dem Dauerbeschuss von Thompson Sub Machine Guns stünde. Hoover musste Ergebnisse liefern, wollte er seine Fähigkeiten als Verbrechensbekämpfer unter Beweis stellen und seine frühe Karriere rechtfertigen. Er würde deshalb in den Kampf gegen das sogenannte organisierte Verbrechen persönlich eingreifen.

Dazu mangelte es ihm aber noch an einigen entscheidenden Kleinigkeiten: Aus diesem Grund hatte er sich bei Ida gemeldet und mitgeteilt, wie sehr ihm, Mr. Hoover, an einem persönlichen Gespräch mit Mr. Sloan gelegen sei.

Hoover war erst Anfang 30, das Löwenartige an seinem Gesicht aber schon sehr ausgeprägt, was zusammen mit den starken Wangenknochen und dem kräftigen Unterkiefer in späteren Jahren die beängstigende Wirkung dieses Mannes zusätzlich unterstrich, der so viele Menschen in den Abgrund stürzen und sich mit blindem Eifer in die Verfolgung vermeintlicher Staatsfeinde hineinsteigern würde. Aber Hoover konnte auch charmant sein, mit seinen blitzenden, gar nicht unfreundlichen Augen, die immerzu versuchten, ein Geheimnis im Antlitz seines Gegenübers zu entdecken.

Durch den rasanten Aufstieg der Automobilindustrie war Detroit zur viertgrößten Stadt der Vereinigten Staaten gewachsen. Jede Woche schoss ein neuer Bürokomplex aus dem Boden. Der illegale Alkoholhandel blühte, und durch die Ford Motor Company und General Motors gab es Geld in Hülle und Fülle. Zum Höhepunkt der Prohibition schenkten über 25.000 Kneipen illegal Alkohol aus. Die Nähe zu Chicago, die ständige Gefahr, in den blutigen Bandenkrieg hineingezogen zu werden, und der große Reichtum, der sich wie ein Schleier aus funkelnder Gaze über die Stadt legte, übten eine eigenwillige Anziehungskraft aus auf die Menschen, die von nah und fern nach Detroit pilgerten. Alle hatten das Gefühl, man könnte etwas Einmaliges verpassen, das verführerische Gemisch aus Luxus und Schizophrenie. In diesen wenigen, aber intensiven Jahren des Höhenrausches, wo die Luft dünn und die Sonne nah war, erwarb sich Detroit den Beinamen Paris des Mittleren Westens.